Der Content Stratege: Online-Übersetzer von morgen

 „Netzneutralität ist die größte Herausforderung und Verantwortung des Content Strategen.“, konstatiert Hofrat Dr. Clemens Schuster, Hofrat Süss AG Zürich, im Rahmen einer Studienveranstaltung am Joanneum in Graz. Hier und heute verändern die digitalen Auswirkungen unseren Arbeitsplatz und die Art und Weise, wie wir leben. Ein Content Stratege benötigt Fachwissen von morgen, um die digitale Sprache zu verstehen und nicht wenig Geduld, um sie für seine Stakeholder zu übersetzen. So gelingt  Zukunft digital. Die neuen Möglichkeiten und Chancen für innovative Geschäftsfelder werden erkannt und genutzt.

Versteht ein Budgetentscheider,  dass er anders als bisher mit seinen Zielkunden im Social-Web kommunizieren muss, dann funktioniert der Markenauftritt in der digitalen Sphäre. Das Image wird gefestigt und ausgebaut. Zusätzliche Umsätze lassen sich generieren. Dr. Clemens Schuster erklärt den Masterstudenten im Fachbereich Content Strategie nachfolgend die Hintergründe und regt zum Nachdenken an über den digitalen Wandel.

 

Was bedeutet digital heute aus Sicht eines Kommunikationsexperten?

Digital ist Storytelling

Geschichten funktionieren heute anders. Wenn du Twitterfollowers haben möchtest, musst du Geschichten preisgeben, siehe Twitteraccount @Hofrat von 2013 mit 33.000 Tweeds. Achte stets beim Storytelling auf eine klassische Einteilung: Beginn - Hauptteil – Schluss.

Bedenke aber auch, dass im Netz nur Dinge gefunden werden, die du einstellst. „Don`t publish it.“, wenn es keiner finden soll.

 

Digital ist Nähe

Mit deinem Smartphone bist du in deinem eigenen Intimbereich.

In diesem Naheverhältnis passiert die Informationsaufnahme auf allen digitalen Kanälen. Du denkst gar nicht mehr darüber nach. Die Interaktivität ist jetzt das Kriterium im Gegensatz zu einem Buch, bei dem niemand zurück redet.

 

Digital schafft Serendipität (1)

Serendipität nach Robert Merton beschreibt den ungeplanten positiven Zufall. Früher verstanden es gute Zeitungsmacher, ihre Leser zu begeistern. Diese freuten sich beim Umblättern auf jede weitere Seite. Dafür mussten extra neue Orte besucht werden, um die Informationen in der gewünschten Art und Weise zu beschaffen. Heute geschieht diese Informationsbündelung permanent digital. Du folgst in Facebook einfach der Timeline, um weiter zu lesen. So ergeben sich plötzlich riesige neue Möglichkeiten.

 

Digital ist sofort prüfbar

Legendär sind die Tom Koma-Interviews. Da wird David Bowie auf dem Sofa zuhause interviewt, tritt aber gleichzeitig live in einer Konzerthalle auf. Digital lassen sich Dinge heute sehr schnell nachprüfen.

Du verfügst über eindeutige URL-Infos und jeder Menge Metadaten. Du weißt, wo und welche Telefongesellschaft die Daten übermittelt. Auch die GPS-Position ist teilweise ersichtlich. Der Begriff Netz-Authentizität wird demaskiert und ist nachvollziehbar.

“Authentisch ist ein Salatkopf.”

 

Digital fördert Demokratisierung

Bereits 2013 konntest du in vielen Regionen Afrikas mit einem iPhone 4S oder einem Blackberry 8510 online gehen. Nicht zuletzt führten dort die neuen digitalen Aufklärungsmöglichkeiten, etwa über Wikipedia, zur Begrenzung der Präsidentschaftswahlen in Nicaragua auf maximal zwei Wahlperioden.

 

Digital schafft neue Netzwege

Mit der „Regenschirmrevolution in Singapur“ 2013 demonstrierten Studenten gegen ein überreglementiertes Leben. Sie verbarrikadierten sich mit Regenschirmen in der Universität. Die Bevölkerung zeigte Sympathien durch das Tragen von Regenschirmen bei 30 Grad im Schatten. Als die Regierung Facebook, Twitter und Co abschaltete, entstand das neue Netzwerk „Firechat“. Dabei genügt allein die Bluetooth-Reichweite zur Kommunikation ohne Internetverbindung.

 

"We need an ethical approach to design"

So wie Licht immer auch Schatten bewirkt, führt digitales Handeln zu disruptiven Entwicklungen. Die Fälle von Kodak und Amazon sind typische Beispiele für die Disruptivität von Märkten (2). Ein existierender, erfolgreicher Markt wird völlig umreguliert. Der LifeCycle ist ebenfalls neu abgebildet, inklusive Service, Support und Relationship. Obwohl ein betriebswirtschaftliches Streben nach Gewinn legitim ist, sind gleichfalls auch kritische Stimmen zu beachten. Etwa von Aral Balkan, der die digitale Manipulation durch Facebook auf witzige und unterhaltsame Weise entlarvt.

 

 

Dozent an der FH Joanneum, Graz, Studiengang Content Strategie:

Dr. Clemens Schuster, Hofrat Süss AG Zürich, Agentur für digitale Strategie www.hofratsuess.ch

 

 (1) Robert Merton, The Travels and Adventures of Serendipity: A Study in Sociological Semantics and the Sociology of Science

(2) Prof. Clayton M. Christensen, Harvard Business School, The Innovators Dilemma